Das neue Tamron 17-28 2.8 an Sony APS-C Kameras - Erster Eindruck (Reupload vom 29.7.19)
Die Frage nach Objektiven war für Sony E-Mount Kameras lange Zeit eines der größten Probleme. Es gab wenige und die, die es gab waren wenn schlecht oder teuer. Durch die aktuelle Generation der A7 Kameras und ein stark angewachsenes Objektiv-Angebot, konnte Sony endlich den breiten Markt überzeugen und man befindet sich aktuell auf dem besten Weg zum Marktführer von Vollformat Kameras. Da springen Dritthersteller wie Sigma oder Tamron natürlich gerne mit auf. Sigma hat beispielsweise nahezu alle Festbrennweiten der Art-Serie für den E-Mount adaptiert und starten in einigen Wochen mit nativen Objektiven für das Sony System. Tamron haben schon vor mehr als einem Jahr ein, speziell für die spiegellosen Kameras entwickeltes, Objektiv auf den Markt gebracht. Das mittlerweile fast schon legendäre Tamron 28-75 F/2.8. Es ist die erste Alternative zu Sony’s 24-70 F4 (unscharf) und 24-70 F2.8 GM (teuer, groß und schwer) gewesen. Tamron verfolgte bei ihrem Konzept für Standard-Zooms einen unkonventionellen Ansatz. Die klassische Brennweite 24-70 mm wurde zu 28-75 mm um ein kompaktes, leichtes aber trotzdem lichtstarkes Objektiv zu realisieren. Durch ein Kunststoffgehäuse und fehlenden Bildstabilisator konnte noch dazu der Preis niedrig gehalten werden. In Testberichten kam das Tamron teilweise sogar besser weg als das mehr als doppelt so teure 24-70 GM. Die Folge war: Das 28-75 war monatelang ausverkauft. Mit dem gleichen Ansatz hat man jetzt das Weitwinkel-Zoom 17-28 mm F/2.8 auf den Markt gebracht. Es ist knapp 100g leichter als das 16-35 F4 von Sony und hält optisch mit dem 16-35 F2.8 GM mit. Dazu kommt noch eine UVP von “nur” 1000€, der tatsächliche Preis wird sich wahrscheinlich um die 900€ einpendeln.
Warum habe ich mich für das 17-28 F2.8 entschieden?
Klingt alles nach einem hervorragenden Deal für A7/9 Besitzer. Tja, bin ich aber nicht. Noch nicht, jedenfalls. Trotzdem war es schon jetzt für mich interessant, denn es gibt zwar mittlerweile viele gute Objektive fürs Vollformat, für die A6000er Reihe jedoch nicht. Besonders Zoom-Objektive sind ein Problem, es gibt keine lichtstarken (2.8 aufwärts) und die vorhandenen genießen auch nicht den besten Ruf. Ich persönlich habe das mit 4 Festbrennweiten überbrückt, was mich aber durch ständige Objektiv-Wechsel sehr unflexibel macht. Das Tamron ist zumindest eine Teillösung. Ersetzen soll es meine geliebten Sigma-Objektive 16mm 1.4 und 30mm 1.4, mit denen ich bisher den Großteil meiner Fotos gemacht habe. Natürlich verliere ich Brennweite in beide Richtungen, aber nur marginal. Mehr Sorgen macht mir allerdings die Tatsache, dass ich die F/1.4 verliere. Denn F/2.8 ist an einem APS-C Sensor nicht mehr wirklich lichtstark und freistellen wird in diesem Brennweitenbereich auch schwierig. Gut ist dabei aber die fast Makro-artige Naheinstellgrenze von unter 20 cm. Durch diesen Kompromiss spare ich mir zumindest ein Objektiv im Rucksack und das ständige Wechseln lässt auch nach. Gleichzeitig war es für mich auch schon eine Investition in die Zukunft. An der A7 III ist es für mich das einzige Weitwinkelzoom das in Frage kommt. Das 16-35 F4 reicht nicht für Milchstraßenfotos, oder Action-Fotografie bei wenig Licht, und mit dem 16-35 GM wäre ich auf Dauer obdachlos und hätte wahrscheinlich auch einen Bandscheibenvorfall (leicht übertrieben). Deshalb habe ich es in einem kurzen Preisfenster von 895€ vorbestellt, auch wenn ich mich jetzt von dem Sigma-Duo trennen muss.
Erster Eindruck - Vergleich mit Sigma 16mm & 30mm
Beim Auspacken ist mir direkt das geringe Gewicht aufgefallen. Es wiegt genauso viel wie das Sigma 16mm 1.4 und hat auch fast die gleiche Größe. Im direkten Vergleich kommt mir das Tamron trotzdem leichter vor, wahrscheinlich wegen dem Kunststoff des Gehäuses. Dabei fühlt es sich aber auf keinen Fall billig an. Der Zoom-Ring ist leichtgängig und lässt sich in weniger als einer viertel Drehung von 17 bis 28 drehen, dadurch ist die Bedienung sehr direkt. An der A6000 liegt es sehr gut in der Hand, zumindest in meinem Fall da ich permanent ein L-Winkel montiert hab, welcher den Griff verlängert. Ohne die Verlängerung fühlt es sich ein wenig kopflastig an, aber meist hält man die Kamera ja eh mit beiden Händen. Am Freitag habe ich es mit auf eine Wanderung im Sauerland genommen und dabei musste ich mich etwas an das neue Objektiv gewöhnen. Die Brennweite kam mir ein wenig komisch vor. Als einziges Zoom Objektiv bin ich die äquivalenten 24-70 mm der RX100 gewöhnt, und das Tamron kommt durch den Cropfaktor auf eine Äquivalente von 25,5 - 42 mm. Dadurch wirkte es zumindest beim “runnin’ and gunnin’” etwas limitiert. Auf dem Stativ war dieses Gefühl jedoch komplett verschwunden, wahrscheinlich einfach eine Gewöhnungsfrage. Vermisst habe ich definitiv auch die Offenblende von 1.4. Für klassische Landschaftsfotos ist es weniger relevant, für Fotos im Reportage-Style fällt es aber auf. Wirklich freistellen kann man nur wenn man sehr nah an das Motiv herangeht. Das funktioniert bei kleinen Blumen, bei größeren Motiven ist es aber kaum möglich. Als ich mir zuhause die entstandenen Bilder auf meinem großen Monitor angeschaut habe war ich jedenfalls überzeugt von dem Objektiv. Es ist scharf schon bei 2.8, chromatische Aberration ist mir nicht ins Auge gefallen, Farben und Kontraste sind fantastisch und die Sonnensterne sind auch gut. Wenn auch nicht so schön wie bei Sony oder Sigma, aber um längen besser als die vom Samyang 12mm welche eine komplette Katastrophe sind. Ein harten Autofokus Test konnte ich bisher nicht machen, es verhält sich aber auf dem ersten Blick genauso schnell wie das Zeiss 55mm 1.8 oder die Sigmas. Abseits der gewöhnungsbedürftigen Brennweite war mein Eindruck sehr positiv und kann es kaum erwarten das volle Potenzial an einer Vollformat-Kamera auszutesten. Den Sigmas ist es von der Abbildungsleistung her absolut ebenbürtig und kann durch höhere Flexibilität punkten. Für Leute die vorher das Kit 16-50 F/3.5-5.6 oder das Zeiss 16-70 F/4 hatten wird es aber sicherlich ein merkliches Upgrade in jeder Hinsicht sein (außer Brennweite natürlich). In knapp zwei Wochen steht ein Urlaub in Thailand an, wo ich das Objektiv ausführlicher testen werde, neue Erfahrungen dazu werde ich hier natürlich teilen. Vielen Dank fürs lesen, ich hoffe es war hilfreich. Abschließend noch ein Paar Bilder mit dem 17-28.



