100 KM allein auf dem Harzer Hexen-Stieg
Von West nach Ost
Auf dem Harzer Hexen-Stieg erlebt man nicht nur eine Wanderung durch eine wunderschöne Landschaft, sondern auch eine Wanderung durch einem der dunklen Kapitel der deutschen Geschichte.
5 Tage - 100 km - 179.342 Schritte
Der Harzer Hexen-Stieg für (Wild)-Camper
Anreise
Startpunkt des Harzer Hexen-Stiegs ist die Stadt Osterode direkt am westlichen Rand des Harzes. Osterode kann man gut mit dem Auto erreichen, außerdem ist eine Zugverbindung vorhanden. Vom Bahnhof sind es nur ein paar Fußminuten bis zum großen kostenfreien Parkplatz Bleichestelle. An diesem Parkplatz befindet sich auch der Startbogen für die Wanderung.
Der Trail
Der Hexen-Stieg ist knapp 100km lang und führt von Osterode, über den Brocken bis nach Thale. Es gibt verschiedene Variationen der Route, ich habe die traditionelle Variante über den Brocken und die Nordvariante der vierten Etappe gewählt. Mehr zu den einzelnen Etappen hier!
Die ersten zwei Etappen sind geprägt von breiten Waldwegen und dem Dammgraben welcher einem am zweiten Tag nicht mehr von der Seite weichen will. Man läuft Kilometer für Kilometer den künstlich angelegten Wasserkanal entlang was sich auf Dauer als etwas eintönig herausstellt. Diese Eintönigkeit vergisst man schnell auf der dritten Etappe welche für mich in Torfhaus begonnen hat. Von dort aus startet man direkt in das namensgebende Torfmoor und hat von dort aus bereits den Brocken in Sicht. Der Aufstieg von Torfhaus aus ist sehr beliebt und so wird man auf diesem Teilstück viele andere Wanderer treffen. Oben auf dem höchsten Berg Sachen-Anhalts angekommen wird man dafür mit einem wunderschönen Ausblick belohnt. Es sei denn, man erwischt einen der 300 Nebeltage im Jahr. Vom Brocken aus habe ich einen etwas anderen Abstieg gewählt, nämlich den Eckerlochstieg. Wer Lust hat ein bisschen von Stein zu Stein zu springen sollte auf jeden Fall diesen Weg Richtung Schierke einschlagen. Durch seine abwechslungsreiche Natur mit großen Felsen und zahlreichen Wasserfällen ist er für mich einer der schönsten Wanderwege im Harz. Von Schierke aus wird es wird es wieder etwas ruhiger. Man trifft deutlich weniger Wanderer und infrastrukturell lässt es auch etwas nach. Der letzte Teil des Hexen-Stiegs ist geprägt von einsamen Dörfern, vielen Stauseen und dem Fluss Bode den man durch all seine Täler und Schluchten bis nach Thale folgt. Dort endet der Hexen Stieg und somit hat man den Harz einmal komplett durchquert.
Infrastruktur und Etappen
Der weg war relativ gut ausgeschildert, jedoch waren die Markierungen etwas sparsam. Durch die permanenten Forstarbeiten im Harz ergeben sich immer mal wieder Routensperrungen, also sollte man definitiv zusätzlich mit dem Handy navigieren. Was ebenfalls fehlte war die Kilometer Angabe zum Nächsten Wegpunkt, so konnte ich Entfernungen nur grob abschätzen. Dadurch durfte ich am letzten Tag fast ein Drittel des gesamten Weges durchziehen.
Tag Osterode-Dammhaus
Tag Dammhaus-Torfhaus
Tag Torfhaus-Schierke
Tag Schierke-Rübeland
Tag Rübeland-Thale
Die Aufteilung war so eigentlich ziemlich gut. Ich habe mir etwas mehr Zeit genommen für die Landschaftlich schönen Gebiete der Tour, war allerdings am 4. Tag morgens etwas zu faul. Eigentlich war das Ziel mindestens bis Neuwerk zu kommen, besser wäre noch etwas weiter. Denn der Letzte Teil des Trails zieht sich sehr, da man lange Schlagenlinen entlang der Bode läuft.
Entlang des Weges kommt man öfter durch kleine Dörfer, dort gibt es nur ein begrenztes Angebot an Gasthäusern oder Einkaufsmöglichkeiten, weshalb ich ganz froh war für die kompletten 5 Tage Essen eigepackt zu haben. Trotzdem bin ich mindestens einmal am Tag an einem Gasthaus vorbei gekommen und konnte mir so eine Abwechslung zu Oatbars und Trockenfleisch gönnen. Die Wasserversorgung ist auch kein Problem, ständig kommt man an natürlichen Trinkwasserquellen vorbei und sollte so in Kombination mit einem Wasserfilter gut versorgt sein.
Übernachten
Der Harzer Hexen-Stieg führt nur zwar an einigen Hotels und Gasthöfen vorbei, wer jedoch wie ich lieber aus Abenteuerlust oder Budget-Gründen lieber im Zelt übernachtet, wird es etwas schwieriger haben. Mein Plan sah wie folgt aus: erstmal drauf los laufen. Wildcampen außerhalb des Nationalparkgebiets kann ich gut mit meinem Gewissen vereinbaren, weshalb ich die erste Nacht oberhalb von Dammhaus auf einem gerodeten Berg verbracht habe. Am zweiten Tag war ich Nachmittags bereits in Torfhaus angekommen und dort befindet man sich bereits im Nationalpark. Es gibt jedoch auch keinen Campingplatz vor Ort also habe ich im Garten der Jugendherberge Torfhaus campiert. So richtig vorgesehen ist das dort auch nicht, wenn man aber mit der Verwaltung telefoniert, kann man Glück haben und sich die Genehmigung einholen. Nach drei Tagen konnte ich wirklich eine Dusche gebrauchen und habe mich für den Campingplatz in Schierke entschieden welchen ich 100%ig empfehlen kann. Als ich angerufen habe, hieß es erst dass der Platz voll ist, da ich jedoch Wanderer war hat man mich trotzdem angenommen. Einfach zum nächsten Campingplatz laufen wäre auch schwierig geworden. Die vierte Nacht habe ich dann irgendwo im Unterholz bei Rübeland verbracht und auch hier gab es keinerlei Probleme. Man sollte auf jeden Fall aufpassen ein Camp vor Wendefurth zu finden da es im Bodetal schwierig werden kann ein geeignetes Camp zu finden. Am letzten Tag habe ich dann gegen Mittag den Campingplatz in Thale angerufen, dort wurden Zelte jedoch Grundsätzlich abgelehnt, auch wenn man zu Fuß nur begrenzt Alternativen hat. Da das günstigste Hotel der Stadt vermutlich die Jugendherberge war, habe ich dort mein Glück versucht. Der freundliche Herr am Empfang hatte viel Verständnis für meine Situation und hat sogar noch versucht mir eine Gratis Übernachtung im Garten zu ermöglichen, da habe ich mich trotzdem lieber für die Sanitäranlagen und ein Einzelzimmer entschieden.
Alles in Allem ist der Hexen-Stieg auf jeden Fall für Wild Camper machbar, auch wenn es gerade im Nationalpark Gebiet natürlich verboten ist. Wer sowas noch nie gemacht hat, für den habe ich hier ein paar Tipps zusammengetragen. Eine letzte Sache noch für Übernachtungen am Hexen-Stieg sollte man definitiv ein Moskitonetz mitnehmen, damit man den Sonnenuntergang vielleicht noch außerhalb seines Zelts genießen kann.
Fazit
Zusammenfassend kann ich den Hexen-Stieg auf jeden Fall empfehlen. Ob man schon mal im Harz war oder ihn das erste mal besucht, man wird nicht enttäuscht. Der Hexen-Stieg führt durch abwechslungsreiche Landschaften und auch wenn es mal etwas monoton wird, kann man mal etwas länger darüber nachdenken warum Demokratie und offene Grenzen gute Sachen sind. Bis auf die Etappen-Einteilung hätte ich nicht viel anders gemacht und auch die Richtung von Osterode nach Thale hat mir von der Struktur her sehr gut gefallen. Das Terrain ist angenehm und die Höhenmeter meist überschaubar. Somit ist der Hexen-Stieg für alle perfekt die den Harz mal von einer anderen Seite kennenlernen möchten, oder für größere Aufgaben trainieren möchten. Empfehlen würde ich ihn von April bis Oktober, da man sonst noch mit viel Schnee rechnen muss.
100km allein auf dem Hexen Stieg (Video)
Wer sich ein genaueres Bild vom Hexen-Stieg machen möchte, ich habe meine Wanderung in einem Video festgehalten.